Über 20 Jahre lang übernahm Professor Dr. Matthias Fischer als stellvertretender Präsident des DRK-Kreisverbandes Göppingen Verantwortung. Als Leiter des Notarztdienstes im Landkreis gingen von ihm entscheidende Impulse aus.

„Besonders hervorzuheben ist die zielorientierte und nachdrückliche Art von Herrn Professor Dr. Fischer, gleichzeitig aber auch sein ausgleichendes Wesen und seine ausgeprägte Menschlichkeit.“ Und: „Seine große berufliche und private Leidenschaft gehört der Notfallmedizin und der Reanimation.“ Peter Hofelich freute sich, bei der Ehrungsveranstaltung des DRK-Kreisverbandes Göppingen im September 2026 dem früheren stellvertretenden Präsidenten des Roten Kreuzes im Landkreis, Professor Dr. Matthias Fischer, eine ganz besondere Ehrung aussprechen zu können. Er ernannte ihn zum Ehrenmitglied des DRK-Kreisverbandes. „Professor Dr. Fischer setzte sich in hohem Maße für die Belange des Rettungsdienstes im Landkreis Göppingen ein. Als Vertreter des DRK war er Mitglied im Bereichsausschuss für den Rettungsdienstbereich Göppingen“, so der Präsident des Roten Kreuzes im Stauferkreis weiter. „In den vergangenen Jahren hat sich Professor Dr. Fischer insbesondere für die Verbesserung der notärztlichen Versorgung eingesetzt. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass 2015 ein dritter Notarztstandort in Süßen und Ende 2023 ein vierter in der Göppinger Christophsbad-Allee eröffnet werden konnten.“
Professor Dr. Fischer, Jahrgang 1961, studierte zunächst Physik, stellte aber schnell fest: „Das war zu weit weg von Menschen.“ Er begann an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – wie auch seine Frau Eike – ein Medizinstudium, promovierte 1988 mit dem Thema „Der Einfluss prolongierter Nervenstimulation auf die synaptische Transmission und die Kontraktionseigenschaften des Musculus cutaneus pectoris des Frosches“, einem klassischen neurobiologischen und elektrophysiologischen Untersuchungsthema. Seit Mitte der neunziger Jahre war er Leitender Notarzt der Bundeshauptstadt. 1997 habilitierte er über das Thema „Das zerebrale no-reflow-Phänomen und die Auswirkung neuer therapeutischer Ansätze auf die Reperfusion des Gehirns nach kardiopulmonaler Reanimation“ und Erlangung der Venia legendi für das Fachgebiet Anästhesiologie“. Jetzt „wollte ich Chef werden und Verantwortung tragen“. Er bewarb sich Deutschlandweit – auch in Hamburg und Lübeck. Und erhielt von der Klinik am Eichert „das attraktivste Angebot“. Er kannte die Region, hatte in den Achtzigern ein Praktikum in Geislingen gemacht.
Als Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie der Klinik am Eichert war er auch Leiter des Notarztdienstes im Landkreis. Und hat ganz entscheidend Entwicklungen in der Notfallrettung mit angestoßen. Das „Helfer-vor-Ort-System“, die „Core-Helper“, die „Woche der Wiederbelegung“ seien exemplarisch genannt. „Vor 20 Jahren lag die Laien-Reanimation bei unter 20 Prozent, heute sind wir stabil bei über 50 Prozent.“
Der Rettungsdienst des Roten Kreuzes wurde dank seines Engagements ständig weiterentwickelt und modernisiert. Dazu zählt auch die strukturelle Notrufabfrage der Integrierten Leitstelle – deren Arbeit wurde so weiter professionalisiert. Gegen „manche Widerstände“ war das eine oder andere umgesetzt worden und führte zu messbaren Erfolgen. „Wir hatten und haben sehr gute Reanimationsergebnisse im Landkreis.“
Als Mitglied des Exekutivkomitees des Deutschen Rats für Wiederbelebung war Professor Dr. Fischer mitverantwortlich für die Reanimierungsleitlinien in Deutschland. Er setzte und setzt sich dafür ein, diese Leitlinien zu vereinfachen und in der Bevölkerung zu verbreiten. „Wichtig ist die Verzahnung von professionellen Helfer*innen und der breiten Bevölkerung.“
Der Mediziner ist Gründungsmitglied des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters der „Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ und zahlreicher weiterer wissenschaftlicher Beiräte und Organisationen. Er hat vielfach zu seinem Fachgebiet publiziert.
Auch wenn der Mediziner zwischenzeitlich seinen Ruhestand angetreten hat – es ist eher ein Unruhestand!. Nach seiner klinischen Tätigkeit kann er jetzt wieder verstärkt forschen. Er wird zahlreiche ehrenamtliche Engagements weiterführen, am Deutschen Zentrum für Reanimationsforschung in Kiel und weiteren namhaften Universitäten sich der Forschungsarbeit widmen.
„Herr Professor Dr. Fischer ist eine Persönlichkeit, die den Kreisverband über zwei Jahrzehnte lang maßgeblich geprägt hat. Er hat sich dabei vor allem dem Rettungsdienst gewidmet. Darüber hinaus hat er aber auch die Entwicklung des Kreisverbands als Ganzes interessiert und seine Entwicklung begleitet“, betonte Peter Hofelich bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft.
Das Rote Kreuz bedankte sich für das langjährige und intensive Engagement mit der Ehrenmitgliedschaft und einer Reise ins Leutaschtal. „Dort können Sie und Ihre Frau sich von den Umzugsstrapazen erholen.“ Denn Professor Dr. Fischer war Mitte September nach Potsdam gezogen. Dort lebt einer seiner Söhne. Von dort wird er künftig öfter mit dem VW-Bus zu ausgedehnten Reisen starten. Mit dabei ist immer das E-Bike.