· NWZ 2026

Schneller beim Patienten

Die Bevölkerung konnte am Samstag die neue Notarztwache in Göppingen an der Öde in Augenschein nehmen. Am Tag der offenen Tür zeigt das DRK das Gebäude und das dort stationierte Auto.

Lage, Lage, Lage. Das ist das Wichtigste bei Immobilien. Auch bei der neuen Notarztwache des DRK, die am Donnerstag eingeweiht und am Samstag mit einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Und, wie ist das mit der Lage? „Der Standort ist ideal“, sagt Andreas Bachmann, Rettungsdienstleiter des DRK. Die Einsatzzeiten zu Rettungseinsätzen im westlichen Landkreis sind deutlich geschrumpft. Diese Erfahrung mit dem Standort in der Christophsbad-Allee haben Bachmann und der DRK-Kreisverband, der die neue Wache betreibt, schon gemacht. Seit 2023 steht am gleichen Standort in der Öde eine „Interims-Notarztwache“. Die drei Jahre alte schnelle Container-Lösung wird jetzt geschlossen, die neue, „richtige“ Wache nebenan in den nächsten Tagen bezogen. Im Vergleich zur alten Interimswache hat sich im Neubau einiges verbessert. Es gibt ein separates Büro und eine richtige Küchenzeile. WC und Duschen, sind jetzt getrennt, Damen und Herren haben etwas Eigenes. Die Duschen sind direkt von der Garage aus erreichbar. „Solche Duschen sind vorgeschrieben“, sagt Bachmann. Brandgeruch und Ruß müssen beispielsweise nach Einsätzen bei Bränden schnell runter von der Haut. Also raus aus dem Auto, durch eine Tür und Brause an. Zur anderen Seite raus und rein in die frischen Klamotten.

Drei Betten sind Pflicht
Die Betten in den drei Einzelzimmern – je eins für den Notarzt, Sanitäter und Auszubildenden – sind ebenfalls Pflicht. Aber: Die Wache ist wie die alte Interimswache nebenan zunächst nur von 8 bis 20 Uhr besetzt. Betten müssen aber rein, sagt Bachmann, das schreibe die Förderrichtlinie des Landes vor. Geld gibt es nur, wenn eine 24-Stunden-Wache gebaut wird. Und die Förderung ist wichtig, 80 Prozent der Baukosten übernimmt das Land, im Falle der Wache in der Öde kommen also rund 1,1 Millionen Euro aus Stuttgart. Vor allem die unmittelbare Nähe zur B 10 macht schnelle und damit kurze Anfahrtszeiten von der neuen Notarztwache in den Westen des Landkreises möglich. Bachmann erinnert sich an seinen ersten Einsatz von der Interimswache. „Unglaublich, wie schnell wir am Einsatzort in Albershausen waren.“ Rauf auf die B 10, schnell wieder runter und schon da. Denn darauf kommt es beim Einsatz vor allem an, auf die Zeit. Das weiß auch der Gesetzgeber in Stuttgart: Die „Hilfsfrist“, also die Zeit vom Eingang des Notrufs in der Leitstelle bis zum Eintreffen von Notarzt und Sanitäter am Einsatzort, soll laut aktueller Fassung des Rettungsdienstgesetzes in 95 Prozent der Fälle nicht mehr als 12 Minuten dauern – zumindest bei den schweren Fällen.

90 Sekunden bis zum Ausrücken
Schnell sein müssen also Notarzt und Sanitäter in der neuen Rettungswache. „Die Ausrückzeit soll nicht länger als 90 Sekunden dauern“, sagt Bachmann. Also eineinhalb Minuten von der Alarmierung durch die Leitstelle bis zum Rausfahren aus der Garage. Jacke an, Einsatzschuhe an, auf dem Weg zur Garage den großen Knopf drücken, der das Garagentor hochsausen lässt, einsteigen und los. „Meist schaffen sie es in 80 Sekunden“, sagt Bachmann. Schnell ist auch das Auto. In der großen Garage steht, weil es eine Notarztwache ist, kein Rettungswagen, sondern ein „NEF“, in Notarzteinsatzfahrzeug. In der neuen Wache ist das ein nagelneuer V-Klasse-Mercedes, in der neuen, vom DRK Deutschland vorgegebenen Farbgebung weiß-orange-knallgelb kariert. Rund 120.000 Euro kostet das Ding, „obendrauf kommen dann nochmal gut 60.000 Euro für die medizinische Ausstattung“, sagt Bachmann, allein das EKG, Defibrillator und das Beatmungsgerät kommen auf rund 45.000 Euro. Einen Kühlschrank gibt es auch an Bord, für kühlpflichtige Medikamente. Und einen dritten Sitz für einen Sanitäter oder Notarzt in Ausbildung. „Die Höchstgeschwindigkeit ist nicht so wichtig“, sagt Bachmann, schneller als 160 Kilometer pro Stunde fahre so ein NEF praktisch nie. Wichtig ist aber der Durchzug, „damit man schnell weg kommt, auch an einer Kreuzung, wenn der Notarzt über eine rote Ampel fährt“, sagt Bachmann. Allradantrieb gibt es auch, damit kommen die Retter auch bei schlechtem Wetter zu ihren Patienten. Dort treffen sie dann auch auf den Rettungswagen, der bei Einsätzen im westlichen Landkreis oft von der Rettungswache der Johanniter-Unfallhilfe in den Pfingstwasen kommt. Vier solcher NEFs betreibt das DRK im Landkreis: je einen in der neuen Wache an der Öde, in der Rettungswache in Süßen, am Alb-Fils-Klinikum und in Geislingen.