Der Standort hat sich bereits vielfach bewährt – das können Rettungsdienstleiter Andreas Bachmann und Alexander Sparhuber, Geschäftsführer des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes, besten Gewissens bestätigen. Ruckzuck ist das Notarztfahrzeug von der Christophsbad-Allee auf der B10 oder in Richtung Göppinger Westen unterwegs. An der Öde hat das DRK vor zwei Jahren eine provisorische Rettungswache – ein Container und eine Holzgarage – errichtet. Dieser weitere Standort sei notwendig geworden, um die seit 2024 geltenden Hilfsfristen – also die Zeit, die ein Rettungswagen zu einem medizinischen Notfall benötigt – zu erfüllen. Diese hatte das Land von 15 auf zwölf Minuten reduziert, „richtigerweise“, sagt Alexander Sparhuber, „denn bei medizinischen Notfällen zählt jede Minute“.
2023 ließ das DRK deshalb ein Provisorium auf einem Grundstück des Christophsbades errichten. Damit sei der Rettungswagen erheblich schneller im Unteren Filstal und im westlichen Teil von Göppingen. Allerdings hat sich das DRK vertraglich verpflichtet, das Grundstück des Klinikums binnen fünf Jahren zu räumen und auf dem Nachbargrundstück einen Neubau zu erstellen.
Direkt neben dem Interimsgebäude wächst nun bereits der Rohbau für die neue Rettungswache aus dem Boden. Mit 240 Quadratmetern bietet das Gebäude Platz für zwei Dienstzimmer, zwei Ruheräume, Umkleiden, Duschen und WCs, einen Bereitschaftsraum sowie eine Fahrzeughalle für ein Notarzt-Einsatzfahrzeug. Dessen Besatzung stellen wie bisher das Alb-Fils-Klinikum, das für den Notarzt oder die Notärztin verantwortlich ist, und das DRK, das die Notfallsanitäter stellt.
Rund 1,4 Millionen Euro sind für den Neubau veranschlagt. 90 Prozent der Kosten soll eigentlich das Land tragen. Bereits Anfang vergangenen Jahres habe das DRK einen Förderantrag gestellt, dieser sei jedoch nicht aufgenommen worden, berichtet der Geschäftsführer. Und über den erneuten Antrag, der Anfang dieses Jahres gestellt wurde, ist noch nicht entschieden. Denn beim Land stauen sich die Förderanträge – nicht zuletzt eine Konsequenz aus den verkürzten Rettungsfristen, die weitere Rettungswachen notwendig machen. Im Jahr 2024 hätten die Hilfsorganisationen Vorhaben mit einem Volumen von gut 84 Millionen Euro eingereicht, ausgeschüttet wurden gerade mal knapp 16 Millionen Euro.
Das ist jedoch nicht das einzige Problem: Das Land fördere nämlich nicht die tatsächlichen Kosten, sondern berechne den Zuschuss anhand pauschalierter, „deutlich zu niedriger“ Baukosten, was zur Folge hat, dass der Kreisverband statt 141.000 nun 300.000 Euro aus eigener Tasche beisteuern muss. Wann das Land zahlt, steht nach wie vor in den Sternen, „es dauert ewig und drei Tage, bis man einen Förderbescheid in der Hand hat“, sagt Sparhuber kopfschüttelnd. Dennoch habe sich der Kreisverband entschieden, zügig zu bauen. „Wir müssen unseren Mitarbeitern angemessene Arbeitsbedingungen bieten“, so der Geschäftsführer. Denn auch die Rettungsdienste haben es zunehmend schwerer, Fachpersonal zu gewinnen. Der schnellere Baubeginn hat jedoch seinen Preis. Denn das DRK muss das Vorhaben mit einem Kredit zwischenfinanzieren, sodass pro Jahr auch noch 50.000 Euro Zinsen anfallen.
Sparhubers Hoffnungen ruhen nun auch auf die Spendenbereitschaft der Menschen im Landkreis und einen Zuschuss aus den „Guten Taten“ für die neue Rettungswache. Das Geld sei in dem neuen Anbau gut angelegt, „weil jeden Bürger irgendwann ein medizinischer Notfall ereilen kann“.
Info Dieses Projekt ist eines von zahlreichen regionalen Initiativen, die von der NWZ-Aktion „Gute Taten“ unterstützt werden. Eine Übersicht finden Sie auf www.gutetaten-nwz.de.
